Klinische Forschung pädiatrische Nephrologie

Die Arbeitsgruppe klinische Forschung beschäftigt sich wissenschaftlich mit den Auswirkungen der Ergebnisse aus der Grundlagenforschung für die Anwendung am Patienten. Sie ist in diesem Sinne translational tätig. Prospektive, randomisierte Studien gehören ebenso wie retrospektive Beobachtungen zum Tätigkeitsfeld. Dabei wird der gesamte Umfang der pädiatrischen Nephrologie abgedeckt.

Prof. Dr.--Weber-Lutz T.
Prof. Dr. Lutz T. Weber

Leiter Klinische Forschung pädiatrische Nephrologie

Leiter Klinische Forschung pädiatrische Nephrologie

Forschungsschwerpunkte

Nephrotisches Syndrom

Intent-Studie

Die Durchführung klinischer Studien zur Therapieoptimierung des idiopathischen nephrotischen Syndroms des Kindesalters hat eine lange Tradition in der Gesellschaft für Pädiatrische Nephrologie (GPN e.V.) und somit in Deutschland. Das idiopathische nephrotische Syndrom im Kindesalter ist eine seltene Erkrankung, die bei der Erstmanifestation nach dem Standardtherapieschema der GPN über 12 Wochen mit dem Glukokortikoid Prednison behandelt wird. Diese Therapie führt bei guter Wirksamkeit regelhaft zu deutlichen Nebenwirkungen bis hin zur Glukokortikoid-induzierten Toxizität. In den letzten Jahren wurde in verschiedenen Studien gezeigt, dass ein anderes immunsuppressiv wirkendes Medikament, das Mycophenolatmofetil (MMF), Rezidive des idiopathischen nephrotischen Syndroms verhindern kann bei gleichzeitig deutlich weniger Nebenwirkungen. MMF könnte daher auch bei der Initialtherapie des idiopathischen nephrotischen Syndroms Prednison einsparen helfen.

Die INTENT-Studie (Initial treatment of idiopathic nephrotic syndrome in children with mycophenolate mofetil versus prednisone) ist eine prospektive, multizentrische, randomisierte, kontrollierte, offene Phase III-Studie, die die Nicht-Unterlegenheit von Mycophenolatmofetil  (MMF) im Vergleich zu Prednison in der Initialtherapie des steroidsensiblen nephrotischen Syndroms im Kindesalter zeigen soll.

Die INTENT-Studie ist durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sowie durch die federführende Ethikkommission der Medizinischen Fakultät Heidelberg im Benehmen mit den beteiligten Ethikkommissionen zustimmend bewertet worden. Die Studie wird ausschließlich durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung und nicht durch die pharmazeutische Industrie finanziert.

Add-on Studie der Intent-Studie

Inosin 5´-Monophosphat-Dehydrogenase (IMPDH) Aktivität bei pädiatrischen Patienten mit einem steroidsensiblen nephrotischen Syndrom unter Mycophenolatmofetil-Therapie: Messung der IMPDH Aktivität

Projektbezogene Publikationen

Marcus R. Benz, Rasmus Ehren, B. Tönshoff, Lutz T. Weber (2015) Alternativen zur Steroidbehandlung des steroidsensiblen nephrotischen Syndroms im Kindesalter. Der Nephrologe, 10(6):462-470

Ehren R, Benz MR, Hackl A, Weber LT (2016) Management des steroidsensiblen nephrotischen Syndroms im Kindes- und Jugendalter - Management of childhood nephrotic syndrome Kinder- und Jugendmedizin, 16: 359-365

Ehren R, Benz MR, Tönshoff B, Weber LT für das Protokollkomitee der INTENT-Studie (2017) Neue Behandlungsmöglichkeiten des idiopathischen nephrotischen Syndroms des Kindesalters – INTENT-Studie päd 23:17-23

Rasmus Ehren, Marcus R. Benz, Jörg Dötsch, Alexander Fichtner, Jutta Gellermann, Dieter Haffner, Britta Höcker, Peter F. Hoyer, Bärbel Kästner, Markus J. Kemper, Martin Konrad, Steffen Luntz, Uwe Querfeld, Anja Sander, Burkhard Tönshoff, Lutz T. Weber on behalf of the Gesellschaft für Pädiatrische Nephrologie (GPN)(2017)

Initial treatment of steroid-sensitive idiopathic nephrotic syndrome in children with mycophenolate mofetil vs.prednisone: A randomized, controlled, multicenter study (INTENT Study) Trials, submitted

Bartram MP, Habbig S, Pahmeyer C, Höhne M, Weber LT, Thiele H, Altmüller J, Kottoor N, Wenzel A, Krueger M, Schermer B, Benzing T, Rinschen MR, Beck BB (2016) Three-layered proteomic characterization of a novel ACTN4 mutation unravels its pathogenic potential in FSGS. Human Molecular Genetics 25(6):1152-1164

Deschênes G, Vivarelli M, Peruzzi L, ESPN Working Group on Idiopahic Nephroic Syndrome (2017) Variability of diagnostic criteria and reatmen of idiopathic nephroic syndrome across European countries. Eur J Pediatr, epub ahead of print, doi:10.1007/s00431-017-2891-2

Ziliopathien
Komplementvermittelte Nierenerkrankungen

Komplementvermittelte Nierenerkrankungen Das Komplementsystem gehört zum angeborenen Immunsystem im menschlichen Organismus. Primäre, z.B. durch genetische Mutationen ausgelöste Störungen (ungebremste Aktivierungen) des Komplementsystems können Nierenerkrankungen auslösen. Betrifft die Komplementaktivierung eine Störung der systemischen Endothelzellfunktion entsteht ein komplementassoziiertes hämolytisch-urämisches Syndrom. Ist die Störung der Komplementregulation auf die Niere beschränkt, ist eine membranoproliferative Glomerulonephritis die Folge. Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich durch die Teilnahme an verschiedenen internationalen Registern und prospektiven Therapiestudien mit den Ursachen, dem Verlauf und der Behandlung dieser Erkrankungen.

Komplementvermitteltes hämolytisch-urämisches Syndrom 

Projektbezogene Publikationen

Schalk G, Ehren R, Vierzig A, Wehling C, Kirschfink M, Bergmann C, Hoppe B, Weber LT (2015)
A complicated case of atypical hemolytic uremic syndrome with frequent relapses under eculizumab.
Pediatr Nephrol, 30:1039-1042

Habbig S, Bergmann C, Weber LT (2016) Discontinuation of Eculizumab in a patient with Atypical Hemolytic Syndrome due to a Mutation in Complement Factor H. Am J Kidney Dis, 67(3):532-3

Hackl A, Ehren R, Kirschfink M, Zipfel PF, Beck BB, Weber LT, Habbig S (2017) Successful discontinuation of eculizumab under immunosuppressive therapy in DEAP-HUS  Pediatr Nephrol, 32:1081–1087

Nierentransplantation

Dsylipidämie nach Pädiatrischer Nierentransplantation (DYSPET) – eine Analyse der CERTAIN-Registers (www.certain-registry.eu) in Kooperation mit den Zentren für Kindernephrologie Heidelberg und Berlin

Kardiovaskuläre Komplikationen gehören zu den wichtigsten Risikofaktoren nach Nierentransplantation im Kindesalter. Dysregulationen im Fettstoffwechsel tragen wesentlich zu diesen Risikofaktoren bei, jedoch gibt es bislang wenig Daten zu Häufigkeit und Relevanz von Fettstoffwechselstörungen bei Kindern nach Nierentransplantation. Wir möchten daher Daten eines großen Registers, in dem Verläufe von pädiatrischen Patienten nach Nierentransplantation erfasst sind (CERTAIN-Register), hinsichtlich der Lipid- und Cholesterinwerte auswerten. Insbesondere interessieren uns, welchen Einfluss relevante Risikofaktoren wie die zugrundeliegende Nierenerkrankung und die Immunsuppression auf die Dyslipidämie haben. 

Projektbezogene Publikationen

Habbig S, Volland R, Krupka K, Querfeld U, Dello Strologo L, Noyan A, Yalcinkaya F, Topaloglu R, Webb NJA, Kemper M, Pape L, Bald M, Kranz B, Taylan C, Höcker B, Tönshoff B, Weber LT (2017) Dyslipidemia after pediatric renal transplantation—The impact of immunosuppressive regimens. Pediatr Transplant. doi.org/10.1111/petr.12914

Congenital anomalies of the kidney and the urinary tract (CAKUT)

Angeborene Fehlbildungen der Nieren und der Harnwege sind die häufigste Ursache des terminalen Nierenversagens im Kindes- und Jugendalter. Sie zeichnen sich durch eine große Heterogenität im klinischen Erscheinungsbild aus. Die erfolgreiche Vermeidung von Harnwegsinfektionen sowie eine optimale Blutdruckeinstellung helfen die Nierenfunktion möglichst lange zu erhalten. Diese Arbeitsgruppe beschäftigt sich in einer großen, multizentrischen, prospektiven Studie mit dem natürlichen Verlauf und den medikamentösen Einflußmöglichkeiten darauf von hochgradigen angeborenen Harntransportstörungen.

PREDICT Studie
Antibiotic Prophylaxis and Renal Damage In Congenital anomalies of the kidney and urinary Tract
Antibiotische Prophylaxe und renale Schädigung bei angeborenen Fehlbildungen von Nieren und Harnwegen

Projektbezogene Publikationen

I. Alberici, A. K. Bayazit, D. Drozdz, S. Emre,  M. Fischbach, J. Harambat, A. Jankauskiene, M. Litwin, S. Mir, W. Morello, A. Peco-Antić, P. Sallay, L. Sever, G. Simonetti, A. Teixeira, E. Vidal, E Wuehl,  A. Zurowska, O. Mehls, L.T. Weber, F. Schaefer, G. Montini  for the ESCAPE study group and the PREDICT trial (2015) 
Pathogens Causing Urinary Tract Infections In Infants: A European Overview By The ESCAPE Study Group. European Journal of Pediatrics, 174:783-790

Burghoff B, Geßner M, Gillis M, Seifert H, Weber LT (2016) Erreger von Harnwegsinfektionen und deren Resistenzprofile – Eine monozentrische Querschnittstudie im 10- Jahresverlauf Pathogens of urinary tract infections and their resistance profiles – a monocentric study  over a period of 10 years pädiatrische praxis 85: 445–456

Apherese

Apheresen sind extrakorporale Sonderverfahren, die bei immunologischen, neurologischen und metabolischen Erkrankungen Anwendung finden. Da es sich in der Regel um seltene Erkrankungen bzw. seltene Indikationen zur Apheresebehandlung handelt, ist die kontinuierliche Datensammlung zu Durchführung und Erfolg solcher Behandlungen besonders wichtig. Dies erreicht diese Arbeitsgruppe mit einem nationalen Register, das Schnittstellen zu internationalen Datensammlungen besitzt.

Projektbezogene Publikationen

Taylan C, Schlune A, Meissner T, Ažukaitis K, Udink ten Cate FEA, Weber LT (2016) Disease control via intensified Lipoprotein-Apheresis in three siblings with familial hypercholesterolemia.p; Journal of Clinical Lipidology, 10:1303-1310

Nationale und internationale Registerstudien

Nephronophthise Register unter Leitung des Zentrums für Kindernephrologie Münster

Die Nephronophthise ist eine genetisch bedingte Nierenerkrankung, die meist im Kindes- und Jugendlichen-Alter zur terminalen Niereninsuffizienz, also zur Dialysepflichtigkeit oder der Notwendigkeit einer Nierentransplantation führt. Manche der Patienten weisen neben den Auffälligkeiten an der Niere weitere Manifestationen der Erkrankung an anderen Organen auf. Das Nephronophthise-Register hat das Ziel, zum einen mehr über die Verläufe auch im Zusammenhang mit der zugrundeliegenden Genmutation zu erfahren und auch die verschiedenen extrarenalen Manifestationen besser zu erfassen bzw. zu verstehen. (http://campus.uni-muenster.de/nephreg.html, Ansprechpartner: jens.koenig@ukmuenster.de)

4C-Studie (Cardiovascular Comorbidity in Children with Chronic Kidney Disease Study) unter Leitung des Zentrums für Kindernephrologie Heidelberg

In diese Studie konnten über 700 Kinder (6-17 Jahre) in 14 europäischen Ländern eingeschlossen werden, die bei Einschluss eine deutlich reduzierte Nierenfunktion aufwiesen und zum Teil im Verlaufe des Beobachtungszeitraums bereits dialysepflichtig wurden oder eine Nierentransplantation erhielten. Neben zahlreichen weiteren Aspekten steht die Analyse der kardiovaskulären Veränderungen gerade in diesem Patientenkollektiv im Zentrum der großen, multizentrischen Studie. (http://4c-study.org/)

4C-Studie