Bewegungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen

Die Diagnose und Behandlung von zerebralen Bewegungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen ist einer der Schwerpunkte unseres Sozialpädiatrischen Zentrums. Kindliche Bewegungsstörungen können eine Vielzahl von Ursachen und Erscheinungsformen haben und führen oftmals zu einer deutlichen Einschränkung der motorischen und sozialen Entwicklung. Sie können auf eine angeborene, erbliche Erkrankung oder auf eine Schädigung des Gehirns vor, während oder nach der Geburt zurückgeführt werden. In manchen Fällen bleibt die Ursache auch ungeklärt.

Spezialsprechstunde für Bewegungsstörungen

Die Diagnose einer zerebralen Bewegungsstörung im Kindesalter löst viele Fragen nach der Ursache und bestmöglichen Therapie aus. Um eine fachspezifische Beratung und Begleitung der betroffenen Familien zu gewährleisten, bieten wir eine Spezialsprechstunde für Bewegungsstörungen im Kindes- und Jugendalter an. Unser Ziel ist es, sowohl bei der Diagnosestellung und Therapie dieser Kinder weiterzuhelfen als auch bei Problemen und Fragen den Patienten und Familien beratend zur Seite zu stehen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Betreuung von Patienten mit angeborenen oder erworbenen Dystonien, insbesondere der dyskinetischen Zerebralparese. Zudem behandeln wir Kinder mit Choreoathetose, Myoklonus, Ataxie, Tremor, Stereotypien, Tics oder anderen hyper- oder hypokinetischen Bewegungsstörungen.

Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit innerhalb des Universitätsklinikums Kölns steht uns ein umfassendes diagnostisches und therapeutisches Spektrum zur Verfügung. Bei einer unklaren Ursache der Bewegungsstörung besteht die Möglichkeit, die Diagnostik durch weitere Bildgebung sowie genetische, biochemische oder metabolische Untersuchungen zu ergänzen.

Das therapeutische Angebot umfasst neben der Hilfsmittelberatung, die Einführung oder Optimierung der speziellen Pharmakotherapie sowie unterstützende Maßnahmen zur Förderung der Motorik und Sprache sowie die Tiefe Hirnstimulation. Die Versorgung der Patienten erfolgt in enger Zusammenarbeit mit den Therapeuten und Psychologen des Sozialpädiatrischen Zentrums.

Die Indikation für die Implantation einer Baclofenpumpe oder einer Tiefen Hirnstimulation wird interdisziplinär, d.h. von allen beteiligten Fachbereichen (Klinik für Neurologie, Klinik für Stereotaxie und funktionelle Neurochirurgie) geprüft. Unser Ziel ist es, ein an die individuellen Bedürfnisse der pädiatrischen Patienten angepasstes Behandlungskonzept zu entwickeln.

Im Falle einer erstmaligen Vorstellung sollten alle vorliegenden relevanten Arztbriefe, das Vorsorgeheft sowie durchgeführte CT- oder MRT-Untersuchungen, wenn möglich als Bilddatei auf CD-ROM, mitgebracht werden.

Was ist die Tiefe Hirnstimulation?

Die Tiefe Hirnstimulation hat sich in den letzten Jahren als eine sichere und effektive Therapieoption in der Behandlung von Patienten mit angeborenen dystonen Bewegungsstörungen, die durch Pharmakotherapie nicht wesentlich zu beeinflussen sind, etabliert. Bei der Tiefen Hirnstimulation werden dünne Stimulationselektroden in bestimmte Regionen des Gehirns implantiert werden. Diese Stimulationselektroden werden mit einem Schrittmacher verbunden, der entweder unterhalb des Schlüsselbeins oder im Bereich des Bauches unter die Haut implantiert wird. Der Schrittmacher gibt über die Elektroden Stromimpulse an das Gehirn ab. Dadurch können die Krankheitssymptome gelindert und die motorische Entwicklung als auch die Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen mit dystonischen Bewegungsstörungen günstig beeinflusst werden.

In der Uniklinik Köln werden seit über 10 Jahren Kinder und Jugendliche mit der Tiefen Hirnstimulation behandelt. Daher ist unsere Klinik in der Patientenauswahl, der Implantation der Stimulationselektroden und in der langfristigen Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Tiefer Hirnstimulation sehr erfahren. In der Spezialsprechstunde können sich Patienten und Familien ausführlich über diese Therapieoption beraten lassen. Zudem dient diese Sprechstunde der ambulanten Weiterbetreuung von Patienten, die bereits eine Tiefe Hirnstimulation erhalten haben.

Forschung

Im Rahmen unserer Forschungsprojekte beschäftigen wir uns maßgeblich mit der Wirkung der Tiefen Hirnstimulation bei heranwachsenden Patienten mit Bewegungsstörungen. Im Rahmen der prospektiven Multicenterstudie STIM-CP untersuchen wir den Effekt der Tiefen Hirnstimulation auf die Lebensqualität von jungen Patienten (Alter 7-18 Jahre) mit dyskinetischer Zerebralparese.

Zudem erfassen wir deutschlandweit mit der Registerstudie GEPESTIM in einem zentralen Register alle Daten zu Patienten mit Bewegungsstörungen, die bis zum 18. Lebensjahr eine Tiefe Hirnstimulation erhalten haben.
Eine weitere Multizenterstudie befasst sich mit den Effekten der Tiefen Hirnstimulation bei Patienten mit Neurodegeneration und Eisenakkumulation im Gehirn (NBIA).

Diese Studien tragen dazu bei, das Wissen über die Effekte der Tiefen Hirnstimulation im Kindes- und Jugendalter zu vertiefen. Nur durch die systematische Erfassung und Auswertung dieser Daten kann die Therapieoption der Tiefen Hirnstimulation für zukünftige Patienten stetig optimiert werden.

Weiterführende Informationen zu den genannten Studien finden Sie im Studienregister.

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