Die gemeinsame Flüchtlingsambulanz für unbegleitete minderjährige Geflüchtete der Stadt Köln und der Uniklinik Köln feiert ihr 10-jähriges Bestehen. Die Zusammenarbeit, die 2015 als kurzfristige Antwort auf eine akute Notsituation begann, hat sich zu einer festen Säule der medizinischen Versorgung für die unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten in Köln entwickelt. Die Flüchtlingsambulanz stellt den Beginn der Gesundheitsversorgung dieser Jugendlichen zuverlässig und effektiv sicher.
Während der Fluchtbewegung im Jahr 2015 kamen viele unbegleitete Jugendliche nach Köln. Durch die oft Monate andauernde Flucht befanden sich die jungen Menschen häufig in einem schlechten Gesundheitszustand. Sie litten etwa an extremer Unterernährung oder behandlungsbedürftigen Verletzungen. Um eine bedarfsgerechte Versorgung sicherzustellen und niedergelassene Praxen zu entlasten, bündelten das Kölner Jugendamt, das Gesundheitsamt und die Uniklinik Köln kurzerhand ihre Ressourcen in der Flüchtlingsambulanz.
Dagmar Niederlein, Leiterin des Amtes für Kinder, Jugend und Familie: „In der damaligen Situation war schnelles Handeln erforderlich. Heute – ein Jahrzehnt später – sind wir noch immer Anlaufstelle für viele unbegleitete und minderjährige Flüchtlinge. Diese jungen Menschen wissen, dass sie bei uns Hilfe in einem sicheren Umfeld auf Augenhöhe bekommen.“
Die Ambulanz übernimmt die gesetzlich vorgeschriebene Erstuntersuchung. Diese wird in jugendgerechter Sprache und mit Unterstützung von Dolmetschern durchgeführt. Sie dient unter anderem dazu, mögliche übertragbare Krankheiten frühzeitig zu erkennen und weiterbehandeln zu können. Damit leistet die Einrichtung einen entscheidenden Beitrag zum Schutz der öffentlichen Gesundheit. Finanziert wird die Flüchtlingsambulanz über die Jugendhilfe im Rahmen der Krankenhilfegewährung mit anschließender Kostenerstattung durch das Land NRW.
Univ.-Prof. Dr. Jörg Dötsch, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Uniklinik Köln: „Die Jugendlichen erhalten bei uns wichtige Impfungen auch zum Ermöglichen des Schulbesuchs und werden auf Tuberkulose untersucht. Bei Tuberkulose-Verdachtsfällen können wir mit unserer Kinder- und Jugendinfektiologie sofort die notwendige Diagnostik und Therapie starten. Somit trägt die Versorgung auch zum Schutz der Bevölkerung bei. Als Uniklinik können wir bei Bedarf auf das gesamte Spektrum der Kinder- und Jugendmedizin zurückgreifen und eine Versorgung aus einer Hand ermöglichen. Die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und dem Gesundheitsamt der Stadt Köln hat sich bewährt und ist aus meiner Sicht ein Erfolgsmodell.“
Dr. Tobias Trojan, Mitarbeiter in der Ambulanz der Uniklinik Köln für minderjährige, unbegleitete Geflüchtete in Zusammenarbeit mit der Stadt Köln, sagt: „In den letzten 10 Jahren hat das Team circa 2.650 Jugendliche untersucht und behandelt. Zu unseren Aufgaben gehört auch die medizinische Versorgung von akuten Diagnosen, inklusive radiologischer Diagnostik und der Einleitung medikamentöser Therapien sowie die Koordination von notfallmäßigen Vorstellungen und stationären Aufnahmen in unserer Kinderklinik. Wir bieten außerdem die Durchführung von J-Untersuchungen für 12- bis 17-Jährige an, inklusive eines Hör- und Sehtests.“
Bei traumatischen Ereignissen im Heimatland oder auf der Flucht wird außerdem mit der Spezialambulanz für Geflüchtete an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uniklinik Köln zusammengearbeitet.
